Am 18. August fand unser diesjähriger Tag der Konfirmandenarbeit statt. In Vortrag und Workshops wurden Chancen, Herausforderungen und Grenzen des Einsatzes digitale Medien in der Konfirmandenarbeit diskutiert und ausprobiert.

Nach einer anregenden und tiefgründigen Andacht durch Propst Wöllenstein (Marburg) starteten Karsten Müller (Medienbildung im RPI) und Prof. Dr. Thorsten Moos (Religionspädagogik im Theologischen Seminar Herborn) mit ihrem Dialogvortrag zum Thema "Digitalisierung der Lebenswelt Jugendlicher als Chance und Herausforderung der Konfirmandenarbeit".

Dabei problematisierte Karsten Müller den Begriff der Digitalisierung. Angemessener sei es, von einer Kultur der Digitalität zu sprechen, denn tatsächlich ist in der Gegenwart bereits ein hoher Grad von Verschmelzung von Virtualität und Realität zu konstatieren.

Der Dialogvortrag entspann sich dann unter den fünf Stichworten Vernetzen, Teilen/Kooperieren, Recherchieren, Spielen und Entdecken: Müller machte an zahlreichen Beispielen aus dem Internet anschaulich, wie diese Aspekte der Digitalität die Lebenswelt der Jugendlichen bestimmt. Dabei kamen bereits aus medienbildnerischer Perspektive einerseits die Chancen zur Sprache, die zum Beispiel in der Förderung der Kreativität, in der sozialen Vernetzung und den ungeheuren Recherchemöglichkeiten bestehen. Aber auch Gefahren wurden benannt: Die digitale Öffentlichkeit, die anonym und ausufernd sein kann oder die Frage der Verlässlichkeit der Quellen im Internet und in sozialen Netzwerken.

Thorsten Moos wog dann mit dem Blick auf die Konfirmandenarbeit die Potentiale und Grenzen kritisch ab. So zum Beispiel im Blick auf die Identitätsbildung, die ein wichtiges Thema der Konfi-Arbeit ist und die sich immer auch im Spiegel der anderen vollzieht. Dieser Prozess wird durch die digitalen Medien noch komplexer. Und welche Bedeutung hat dabei die Leiblichkeit der Begegnung? Weitere Anfragen betrafen Fragen der Kontrolle vom Lern- und Entwicklungsprozessen und das Wirklichkeitsverständnis mit einer notwendigen Unterscheidung von Funktionalität und Wirksamkeit. Moos betonte aber auch die Potentiale der Digitalität: So kann die Kirche an Virtualität gut anknüpfen, da sie sich als imaginierte Gemeinschaft versteht. Der Ansatz, dass aus Nutzern Produzenten werden, entspricht dem evangelischen Prinzip und der Netzwerkgedanke ist auch für das Kirchenbild wichtig zumal die Konfirmandenarbeit immer schon mit heterogenen Gruppen zu tun hat. Im Blick auf Recherchemöglichkeit und die Förderung von Kreativität durch digitale Tools plädiert Moos sehr für einen spielerischen und offenen Zugang zu biblischen Texten. Es gehe um eine Begegnung mit dem Text, die lebensrelevant und wahrhaftig ist.

Die anschließende Diskussion zeigte das breite Spektrum zwischen der Begeisterung über die neuen Möglichkeiten durch digitale Medien und die Anfragen an Herausforderungen und Grenzen. Beiden Seiten kann nur entsprochen werden, wenn in der Konfi-Arbeit zwei Aspekte im Blick sind: Die sachgemäße und angemessene Nutzung digitaler Medien und die kritisch-konstruktive Medienbildung. 
 

In den Workshops am Nachmittag wurden dann praktische Zugänge vorgestellt und ausprobiert:

- Die App Actionbound, mit der digitale Schnitzeljagden in der Gemeinde, Kirchraumerkundungen und Stationenarbeiten durchgeführt werden können (Marcus Kleinert, Hungen)

- Praktische Tipps, wie Konfis Erklärvideos erstellen können (Lutz Neumeier, Lich)

- Eine Einführung in den Einsatz von Virtual und Augmented Reality in der Bildungsarbeit (Jens Palkowitsch-Kühl, Uni Würzburg und Karsten Müller, Kassel)

- Fragen der Videoproduktion für Internetportale wie Snapchat oder You-Tube (Jan Scheunemann, Lautertal/Odw.)

- Die Frage, wie in der Konfi-Arbeit mit den rechtlichen Rahmenbedingungen insbesondere im Bereich Social-Media umgegangen werden soll (Dr. Till Schümmer. Neu-Anspach)